Bisexuell und verheiratet: So gehen wir in der Ehe damit um

Bisexuell und frisch verliebt.
"Ich bin bisexuell." Aus einer Ahnung entsteht schnell der Wunsch, Bisexualität offen auszuleben. © iStock/Lise Gagne

Ich bin bisexuell! Anfangs war es nur eine schöne, erotische Fantasie unserer Gastautorin Yumiii*, mit einer anderen Frau intim zu werden. Bis zu einem einschneidenden Erlebnis, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellte. Da war sie bereits viele Jahre verheiratet und Mutter. Hier erzählt sie uns ihre Geschichte.

Schatz, ich bin bisexuell! Aus einer Vermutung wird Gewissheit

Mittlerweile bin ich in den 30ern angekommen. Dass ich bisexuell bin, habe ich bis dato immer vermutet. Doch ausgelebt hatte ich es nie wirklich. Klar, in der Jugend testet man hier und da und spielt ein bisschen herum. Aber etwas daraus entwickelt hatte sich bei mir nie. Ich kam ziemlich jung mit meinem jetzigen Mann zusammen. Da hatte eine Frau nach den gängigen Normen und Regeln der Gesellschaft einfach keinen Platz. So dachte ich zumindest viele Jahre.

Für uns sollte es noch mehr geben als die klassische monogame Beziehung.

In den letzten Jahren veränderte sich erst mein Bewusstsein und dann auch seins. Für uns sollte es noch mehr geben, als die klassische monogame Beziehung. Doch fest definieren möchte ich das für mich nicht. Interessant wurde es, als ich den Mut fasste, mit meinem Mann über meine Bisexualität und den Wunsch, sie offen auszuleben, zu reden.

Ihm war das nie direkt so bewusst. Er kannte meine Anwandlungen. Er wusste von meinen Jugendsünden. Doch wusste er nicht, dass für mich das Thema immer noch aktuell war. Ich lebte meine Fantasien bis dato nur in Träumen aus. Und dadurch wusste ich auch, dass das Thema Frauen für mich immer eine Rolle spielen würde.

Bisexuell verliebt – aber ich war zu schüchtern für Abenteuer

Das erste Mal, dass es bei mir wirklich gefunkt hatte, so dass ich mich heute noch daran erinnern kann, war bei einer ehemaligen Kollegin von mir. Ich war zuvor Kundin in dem Laden, in dem sie arbeitet. Sie war wieder mal so eine Frau, wo ich kein Wort herausbekam und nur dumme Sprüche von mir gab. Ich wusste einfach nie, was ich zu ihr sagen sollte. Oft nahm ich mir vor, sie auf einen Kaffee einzuladen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn man in einer Beziehung steckt.

Das Problem ist eben auch, dass man nie weiß, ob eine Frau auch an anderen Frauen interessiert ist.

Bisexuell verliebt: Zwei Frauen
Bisexuell verliebt. Doch ich war anfangs einfach viel zu schüchtern, um auf meine Flamme zuzugehen. © iStock/Lise Gagne

Die Situation änderte sich auch nicht, als ich dann dort arbeitete. Das Problem ist eben auch, dass man nie weiß, ob eine Frau auch an anderen Frauen interessiert ist. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sie mit meiner Abteilungsleiterin zusammen war. Also wurde leider nichts draus… .

Ich bin bi! Das Outing erleichterte meine Suche

Nach dem Gespräch mit meinem Mann konnte ich es endlich offiziell machen, dass ich bisexuell bin. Das machte die Sache nun erheblich einfacher. Die meisten Leute, die mich kannten, wussten nichts davon. Ich wurde als die Ehefrau und Mutter angesehen, die ich eben war. Doch als ich es bekannt machen konnte, vor allem auch im JOYclub, änderte sich das Bild meines Umfelds über mich.

Meine erste bisexuelle Erfahrung bleibt unvergessen

Meine erste, ernsthafte bisexuelle Erfahrung durfte ich auf einem mehrtägigen Event machen, das ich gemeinsam mit meinem Mann besuchte. SIE war schon längere Zeit eine Freundin von mir. Als sie dann in meine Gegend zog, trafen wir uns regelmäßig. Während dieser Zeit funkte es dann auch bei mir. Bei ihr wohl auch. Und das Flirtspiel begann.

Richtig bewusst, dass sie mit mir flirtete, wurde es mir erst auf diesem Event. Die Stimmung war locker und die Nächte wurden zum Tag gemacht. Es fing mit ersten schüchternen Berührungen an. Und dann folgte auch der erste Kuss. In der letzten Nacht kam dann eins aufs andere und wir verbrachten die ersten intensiven Momente zusammen. Es war, als ob ich immer nur darauf gewartet hatte. Ich wollte mehr davon.

Ich hatte endlich das Gefühl, vollständig zu sein.

Bisexuell verliebt: Zwei Frauen kuscheln im Bett
Ich lebe meine Bisexualität mittlerweile aus – MIT meinem Partner UND meiner Freundin. © iStock/Lise Gagne

Das war das erste Mal, dass ich eine Frau voll und ganz spüren durfte. Und ich werde es nie vergessen. Dieses Gefühl, das ich dabei empfand, hat sich bei mir eingebrannt. Eine neue Seite von mir trat zu Tage und ich hatte endlich das Gefühl, vollständig zu sein.

Seit diesem Event gehe ich lockerer mit dem Thema Bisexualität in der Partnerschaft und mit Frauen um. Klar bin ich noch schüchtern, aber wenigstens nicht mehr verkrampft. Diese Erfahrung hat mich verändert. Ich weiß mittlerweile, was ich will – und dass ich es nie mehr missen möchte.

*Unsere Gastautorin ist mit ihrem Ehemann als Paar im JOYclub, der Community für mehr Lust und Liebe, angemeldet. Um Bi-Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, hat sie zusätzlich ein Einzel-Profil unter dem Pseudonym „Yumiii“. Über sich selbst sagt sie: „Ich versuche, das Leben zu genießen und immer wieder Neues zu entdecken. Neben dem Schreiben von Geschichten ist es meine Leidenschaft, in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen, zum Beispiel in Form von Cosplays.“


Bisexualität in der Partnerschaft: Wie geht ihr damit um?

Seid ihr auch bisexuell und lebt in einer „Hetero-Partnerschaft“? (Wie) Habt ihr eurem Partner eure Bisexualität gestanden, wie hat er reagiert? Oder soll es lieber ein Geheimnis bleiben? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Euer Liebesbrief von ohja!

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1 Kommentar

  • Der Artikel ist zwar gut gemeint, aber er haut auch zwei Begriffe durcheinander, die nichts miteinander zu tun haben.

    Bisexualität bedeutet, sich von mehr als einem Geschlecht angezogen zu fühlen. Es bedeutet aber nicht, mehrere Partnerschaften gleichzeitig zu haben oder auszuleben, egal ob romantisch oder sexuell. Das ist Polyamorie. Man kann poly sein/leben, ohne bisexuell zu sein, und man kann bisexuell sein, ohne poly zu leben, oder eben beides.

    Ich missgönne niemand, dass diese Kombination so klappt und den Horizont öffnet, ich bin auch bisexuell und poly und lebe das aus. Aber dieses Missverständnis schadet im realen Leben bisexuellen Menschen, indem sie als von vornherein untreu bekannt werden (Polyamorie als „Untreue“ zu betrachten ist nochmal ein ganz anderes Problem, weil das nicht stimmt). Und es gibt auch polyamore heterosexuelle Menschen, die nicht einfach nur „fremdgehen“ wollen, sondern wirklich dauerhafte stabile heteroromantische und heterosexuelle Beziehungen suchen, und auch das gehört anerkannt.

    Deshalb wäre es gut, den Artikel entweder dahingehend zu korrigieren oder einen erklärenden Anhang hinzu zu fügen.

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